Tagung: Jella Lepman - Eine Wiederentdeckung

Donnerstag / Freitag
8. / 9. Oktober 2020
Bayerische Staatsbibliothek und
IJB / Schloss Blutenburg
Jella Lepman: Journalistin, Autorin, Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek
Eine Wiederentdeckung.
Tagungsleitung: Prof. Dr. Christine Haug, Prof: Dr. Waldemar Fromm, Dr. Christiane Raabe

Die Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek Jella Lepman gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. In Stuttgart 1891 geboren, in einer gutbürgerlichen jüdischen Familie aufgewachsen, engagierte sie sich in den 1920er Jahren als Redakteurin des Stuttgarter neuen Tageblatts für die Belange von Frauen und schrieb nebenbei Geschichten für Kinder. 1936 emigrierte sie über Italien nach London, wo sie u.a. für die BBC arbeitete und unter Pseudonym die lange Zeit einzige Studie über Women in Nazi Germany verfasste. 1945 kehrte sie im Rahmen des Re-Education-Programms der Vereinigten Staaten nach Deutschland zurück und arbeitete im militärischen Rang eines Major als „Beraterin für die kulturellen und erzieherischen Belange der Frauen und Kinder“ für die amerikanische Militärregierung.

Jella Lepman, die nun in München wirkte, war eine Impulsgeberin, Macherin und Netzwerkerin, die über Kinder und Jugendliche einen Beitrag zur demokratischen Umgestaltung der Gesellschaft leisten wollte. Das Kinder- und Jugendbuch erschien ihr dabei das geeignete Medium zur Vermittlung interkultureller Verständigung und westlicher Werte zu sein. 1946 eröffnete sie im Haus der Kunst die „Internationale Ausstellung das Jugendbuch“, die anschließend erfolgreich als Wanderausstellung in deutschen Großstädten zu sehen war, und reiste 1947 durch die USA, um einflussreiche Mitstreiter und Geldgeber für ihre Idee einer internationalen Jugendbibliothek zu gewinnen. Die Gründung dieser Bibliothek 1949 in München war ihr größter Erfolg und gilt als ihr bleibendes Werk. Diese innovative und weltweit vernetzte Einrichtung ist heute die größte Spezialbibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur der Welt. Jella Lepman stand ihr bis 1957 vor. Zudem gründete sie 1953 das International Board for Young People (IBBY), ein heute 75 Ländersektionen umfassendes internationales Netzwerk zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur und des Lesens.

Der 70. Geburtstag der Internationalen Jugendbibliothek 2019 sowie der 50. Todestag von Jella Lepman am 14. Oktober 2020 bilden Anlässe, um die heute leider viel zu wenig bekannten Verdienste dieser außergewöhnlichen Frau wiederzuentdecken und zu würdigen.  Die Tagung zu ihrem Leben und Werk wird wichtige und wesentliche Aspekte ihres vielfältigen Wirkens erstmals umfassend beleuchten.

Zur Tagung erscheint eine bebilderte und kommentierte Neuausgabe von Jella Lepmans Lebensbericht
„Die Kinderbuchbrücke“ im Antje Kunstmann Verlag.

Die Beiträger:
Anna Axtner-Borsutzky, Doktorandin am Institut für Deutsche Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München

Anna Becchi, Autorin, Literaturagentin und Übersetzerin aus Genua

Irene Ferchl, Publizistin und Kulturjournalistin aus Stuttgart

Sven Hanuschek, Publizist und Professor am Institut für deutsche Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München

Michael Hochgeschwender, Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München

David Jacobson, Autor und Journalist aus Seattle

Oliver Jahraus, Vizepräsident und Professor für Neuere deutsche Literatur und Medien an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Marita Krauss, Professorin für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg

Laura Mokrohs, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Philologie der Ludwig Maximilians Universität München

Emer O’Sullivan, Professorin für Englische Literaturwissenschaft an der Universität Lüneburg

Jörg Probst, promovierter Kunsthistoriker, koordiniert die interdisziplinäre Forschungs- und Lehrplattform „Portal Ideengeschichte“ an der Philipps-Universität Marburg

Caroline Roeder, Professorin für Literaturdidaktik mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteraturforschung an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg

Daniel Siemens, Professor für Europäische Geschichte an der School of History, Classics and Archaeology der Newcastle University im Nordosten Englands

Eine Kooperation der Bayerischen Staatsbibliothek, des Instituts für deutsche Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Stiftung Internationale Jugendbibliothek

Um Anmeldung wird gebeten:
anmeldung@ijb.de oder telefonisch: 089-891211-0
Internationale Jugendbibliothek München
089 / 89 12 11 - 0
info@_we_dont_like_spam_ijb.de
www.ijb.de


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